
Kaum hast du deinen peinlichen Reim vollendet, da schnellt auch schon mit unglaublicher Geschwindigkeit das Bein des Torwächters hervor und haut das gigantische Tor aus seinen mickrigen Angeln, so daß dieses mit einem ohrenbetäubenden Krachen zu Boden fällt (Da bekommt der Ausdruck "die Stadt betreten" eine völlig neue Bedeutung). Der Torwächter scheint eine infantile Freude bei dieser ganzen Aktion zu empfinden und sein Gesicht ist von einem strahlenden Lächeln erfüllt, während dir vor Überraschung immer noch der Mund offensteht (was zur Folge hat, daß eine unschuldige Fliege an deinem krassen Mundgeruch zu Grunde geht). Immer noch grinsend schreitet der Torwächter mit vor Stolz geschwellter Brust durch oder vielmehr über das Tor und bedeutet dir ihm zu folgen, was du nach kurzem Zögern (und einer vergeigten KL-Probe) auch tust.
Gerade hast du das umgefallene Tor hinter dir gelassen, da packt dich der Wächter auch schon am Ärmel und beginnt zielstrebig Richtung Stadtmitte zu laufen, so daß dir kaum eine andere Wahl bleibt, als ihm zu folgen. Dabei legt der Kleine eine dermaßen hohe Geschwindigkeit an den Tag, daß du kaum Gelegenheit hast, dich umzusehen, allerdings kannst du einen kurzen Blick zurück erhaschen und siehst, wie sich mehrere kleine Wesen, offensichtlich von derselben Art wie der Torwächter (das Wort "Gnipfelzwurk" kommt dir aus irgendeinem Grund in den Sinn), eifrig daran machen, das Tor wieder aufzustellen (worüber seltsamerweise immer noch das Ortsschild in der Luft hängt).
Während du vom Torwächter durch die schlaglöcherübersähten Straßen Niedergoblinheims gezerrt wirst, kannst du dir ein erstes Bild der Stadt machen: Im Großen und Ganzen sieht Niedergoblinheim eher heruntergekommen aus, auch wenn du nicht genau weißt, wodurch dieser Eindruck entsteht. Liegt es an den baufälligen Gebäuden, die ohne genauen Plan in die Landschaft gesetzt wurden und auch keinen einheitlichen Baustil besitzen, sondern vielmehr ein Mischmasch sämtlicher Bauarten, die sich Architekten je erdacht haben, darstellen, und das noch in schlampiger Ausführung? Liegt es an den mit Dreck übersähten Straßen, die weder eben noch von gleichmäßiger Breite sind? Liegt es an dem miefigen Gestank, der jedem Elf die Nase abfallen lassen würde, und dich irgendwie an den selbstgemachten Kuchen deiner Großmutter erinnert? Oder liegt es schlicht daran, daß eine Stadt mit einem Namen wie "Niedergoblinheim" einfach nicht gepflegt aussehen kann?
Die Bewohner der Stadt, die auf den Straßen unterwegs sind, würdigen dich kaum eines Blickes - scheinbar ist es für sie nichts ungewöhnliches, daß der Torwächter wie vom wilden Schrat gebissen mit einem Besucher durch die Stadt rast. Du hingegen siehst dir die Einwohner etwas genauer an und stellst verwundert fest, daß du entweder den neuesten Modetrend (wie man im Liebfeld'schen sagt) verpasst hast und Geweihtenkleidung der letzte Schrei ist oder daß in Niedergoblinheim in der Tat äußerst viele Geweihte herumlaufen.
Du siehst Efferdgeweihte in ihren meeresfarbenen Kutten mit Seesternamuletten und Muschelschmuck, in gelborangene Roben gekleidete Traviageweihte, die ein besorgtes Gesicht zur Schau tragen, stolz daherschreitende Rondrageweihte in voller Rüstung, sich selbst geißelnde Praiosgeweihte, die nicht mit strengen Blicken geizen, und auch einige grimmige Firungeweihte in weißen Pelzen, denen der Schweiß literweise herabläuft und Pfützen auf der Strasse bildet. Auch Geweihte der anderen Götter kannst du ausmachen - natürlich abgesehen von denen des Phex, die sich wohl kaum von den übrigen Bürgern unterscheiden - und kannst oft beobachten, wie sie die "normalen" Bürger mit lauten Reden von irgendetwas zu überzeugen versuchen, dabei aber peinlichst bemüht sind, ihren von anderen Göttern berufenen Kollegen aus dem Weg zu gehen.
Du beobachtest, wie ein Borongeweihter in einer schwarzen Kutte gerade ein seltsames Schildchen mit einem Boronsrad darauf über einer Tür anbringt, während der Hausbesitzer ein ähnliches Schildchen mit Hammer und Amboß darauf einem belämmert dreinschauenden Ingerimmgeweihten in die Hand drückt. Jetzt wo du darauf achtest, bemerkst du, daß über jeder Haustür ein solches Schildchen angebracht ist, auf dem stets das Symbol eines der Zwölfgötter abgebildet ist.
Als du noch darüber nachsinnst, was das alles zu bedeuten hat, bremst der Torwächter so plötzlich ab, daß es dich erstmal auf die Schnauze haut (nämlich das Straßenpflaster), sehr zur Freude des Gnipfelzwurks. Fluchend und Dreck ausspuckend richtest du dich wieder auf und willst gerade das Wort an den Torwächter richten, als dieser dir zuvor kommt und meint:
"Hier stehn wir vor dem Marktplatz nun,
Was du als nächstes hast zu tun,
Das kannst du nur allein entscheiden,
Nur den Magier würd' ich meiden!
Doch gehe nun zuerst ganz schnell,
In des Statthalters Kastell!"
Nach diesem leicht widersprüchlichen Reim, verschwindet Ferdo, der Torwächter, wieder flink wie ein Difar in Richtung Stadttor und läßt dich mutterseelenallein vor dem Marktplatz stehen. Du kannst nun
Ein
zufällig herumstehendes Monster mit einer Nachricht an den Statthalter
losschicken