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Fushigi Yuugi
jap. Originaltitel: |
Fushigi Yuugi |
Produktionszeit: |
1995 |
Genre: |
Shoujo / Fantasy |
Drehbuch: |
Yoshio Urasawa, Kazuhisha Sakaguchi, Genki Yoshimura; nach dem Manga von Yuu Watase |
Regie: |
Hajime Kamegaki |
Character Design: |
Hideyuki Motohashi |
Laufzeit: |
52 Folgen à ca. 25 Minuten |
Review-Version: |
US-DVDs von Pioneer |
Die Handlung
Yui Hongo und Miaka Yuki, die seit dem Kindergarten beste Freundinnen sind, bereiten sich auf die
Aufnahmeprüfung zur High School vor. Allerdings hat die lebensfrohe Miaka so ihre Probleme mit
dem Lernen, hängt lieber Tagträumen von leckerem Essen nach als im Unterricht aufzupassen
und sieht dementsprechend der kommenden Prüfung mit Grauen entgegen. Als sie eines Tages von Yui
mit zur Bibliothek geschleppt wird und sich auch dort wieder mehr für den
Süßigkeitenautomaten als für die Bücher interessiert, sieht sie plötzlich
in einer Vision einen wunderschönen feuerroten Vogel davonfliegen. Miaka nimmt die Verfolgung
auf und stolpert dabei über ein abgelegenes Hinterzimmer der Bibliothek, wo sie ein altes
chinesisches Buch mit dem Titel "Shijin Ten Sho" (Das Universum der vier Götter) findet.
Mit Hilfe von Yui kann sie die alten chinesischen Zeichen entziffern und liest die erste Seite des
geheimnisvollen Buches, auf der folgendes geschrieben steht:
"Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das seine Träume wahr werden ließ,
nachdem es in Besitz der sieben Sterne von Suzaku gelangte und ihr viele Kräfte zuteil wurden.
Die Geschichte selbst ist ein Zauberspruch. Derjenigen, die sie durchliest, werden die Kräfte
gegeben werden, sich einen Wunsch zu erfüllen wie das Mädchen in der Geschichte. Weil die
Geschichte beginnt und Wirklichkeit wird, in dem Moment wo die erste Seite umgeblättert
ist."
Kaum haben Miaka und Yui diese Passage zuende gelesen, werden sie auch schon in das Buch
hineingezogen und landen in einer fremden Welt, die dem alten China sehr ähnlich ist. Viel
Zeit bleibt den beiden nicht, darüber nachzudenken, was mit ihnen geschehen ist, denn bereits
kurz nach ihrer Ankunft werden sie von ein paar finsteren Banditen angegriffen. Glücklicherweise
kommt in diesem Moment gerade der gutaussehende Jüngling Tamahome vorbei, der die Banditen mit
ein paar gezielten Tritten vertreibt. Als er aber feststellt, dass die beiden Mädchen kein Geld
haben, um ihn für seine Hilfe zu bezahlen, macht er sich sogleich wieder aus dem Staub. Just in
diesem Moment, wird Yui, ohne dass Miaka es bemerkt, wieder aus dem Buch heraus in die wirkliche Welt
teleportiert. Miaka, die jetzt natürlich glaubt, dass Tamahome Yui entführt hat, macht sich
in der nahegelegenen Stadt auf die Suche nach ihm.
Nach einer längeren Suche, bei der Tamahome sie erneut vor einigen üblen Gesellen retten
muss, wird Miaka schließlich von der kaiserlichen Garde gefangengenommen. Der schöne
Kaiser Hotohori offenbart Miaka, dass sie die lange prophezeite Priesterin von Suzaku sei, deren
Aufgabe es ist, die Sieben Krieger von Suzaku um sich zu versammeln und dann die Gottheit Suzaku
selbst zu beschwören. Mit den Wünschen, die ihr nach der Beschwörung gewährt
werden, soll sie dafür sorgen, dass das Land Konan für immer in Frieden leben kann. Da
Miaka gar keine andere Wahl bleibt und das Herbeirufen von Suzaku wahrscheinlich der einzige Weg
zurück in ihre Welt ist, macht sie sich also auf die Reise um die Sieben Krieger von Suzaku
zu finden. Doch selbst in ihren kühnsten Träumen hätte sie sich nicht ausmalen
können, welche Abenteuer sie dabei erwarten.
Meine Meinung
Fushigi Yuugi ist das, was man in Fachkreisen als "Shoujo"-Anime bezeichnet. Das heißt die
Zielgruppe der Serie sind primär weibliche Teenager, im Vordergrund der Handlung stehen die
Beziehungen der Hauptcharaktere (unter denen sich neben der weiblichen Protagonistin natürlich
jede Menge süßer Jungs befinden) und allgemein wird sehr viel wert auf die
Charakterisierung der Hauptpersonen gelegt. So kann auch Fushigi Yuugi mit einer Vielzahl an
Beziehungsvielecken (in den seltensten Fällen sind es nur Dreiecke) aufwarten und
konzentriert sich sehr auf die Aufs und Abs der Liebesbeziehung zwischen Miaka und Tamahome. Alle
Charaktere haben eine ganz eigene Persönlichkeit und sind überwiegend sympathisch (und
für jedes Mädchen dürfte irgendjemand dabei sein, den es anhimmeln kann), selbst
viele der Widersacher unserer Helden bekommen genug Hintergrundstory verpasst, dass man sie nicht
mehr nur als irgendwelche Bösewichter sieht, sondern als eigenständige Personen mit
ihren ganz speziellen Beweggründen.
Nun, als ich das letzte Mal in den Spiegel gesehen habe, war ich zwar noch eindeutig
männlich und auch schon länger kein Teenager mehr, aber trotzdem muss ich sagen,
dass mir diese "Shoujo"-Serie außerordentlich gut gefallen hat. Im Endeffekt sind diese
Kategorisierungen ja ohnehin höchstens für irgendwelche Marketing-Abteilungen
interessant. Ich zumindest sehe mir gerne auch mal einen guten Liebesfilm an und gegen
sympathische Hauptpersonen oder gute Charakterisierungen hat wohl ohnehin niemand etwas.
Im übrigen kann Fushigi Yuugi noch mit ganz anderen Stärken auftrumpfen, namentlich
einem spannenden Plot und einem interessanten Setting. Dennoch sollten es sich Leute, die
gegen Liebesgeschichten allergisch sind, definitiv zweimal überlegen, ob sie der Serie
eine Chance geben, denn stellenweise übertreibt es Fushigi Yuugi mit dem Herzschmerz ein
wenig zu sehr. Nach dem tausendsten "Miakaaaa!" - "Tamahomeee!" Geschreie (in einer Folge!!!)
wurde es selbst mir manchmal etwas zu viel und mein Finger zuckte merklich in Richtung
Vorspultaste.
Ärgerlich ist auch, dass ständig wieder derselbe Plot-Device verwendet wird um Dramatik
zu schaffen. In der einen Folge trennen sich Tamahome und Miaka, nur um in der nächsten
(mit viel "Tamahome!" - "Miaka!" Geschrei) wieder zusammenzukommen, um sich dann schließlich
in der übernächsten Folge erneut zu trennen, so dass das Spiel wieder von vorne losgehen
kann. Ganz ehrlich, Miaka und Tamahome trennen sich so oft, dass man eine Uhr danach stellen
könnte, und die Gründe für ihre Trennungen werden dabei immer fadenscheiniger.
Da die Charaktere wie gesagt wirklich sympathisch sind, gehen einem die Trennungen und freudigen
Wiedervereinigungen zwar schon irgendwie zu Herzen, aber ein klein wenig repetetive Melodramatik
hätte man hier ruhig rauskürzen können.
Ein weiterer Hauptkritikpunkt, den ich an Fushigi Yuugi habe, sind die ständigen
Rückblenden. Ich sehe ja ein, dass man am Anfang einer Folge einen Rückblick auf die
Geschehnisse der letzten Folge haben muss um dem Zuschauer den Anschluss zu erleichtern, aber
müssen denn innerhalb einer Folge auch ständig Rückblenden auf vergangene
Ereignisse kommen? Besonders extrem wird es, wenn innerhalb einer Folge ein Rückblick
auf eine Szene gebracht wird, die noch vor wenigen Minuten in derselben Folge passiert ist.
Ich wage mal die kühne Behauptung, dass man die Serie um mindestens 5 Folgen kürzen
könnte, wenn man nur die ganzen Rückblicke herausnimmt, und das sollte einem schon
zu denken geben. Naja, gottseidank wird die Sache mit den Rückblenden in der zweiten
Hälfte der Serie wesentlich besser.
Gerade weil die Charakterisierungen der Hauptpersonen, wie oben bereits mehrfach erwähnt,
in der Regel exzellent sind, hat es mich außerdem extrem gestört, dass zwei der Sieben
Krieger von Suzaku, namentlich Chiriko und Mitsukake, in der Serie absolut zu kurz kommen.
Mitsukakes Katze hat mehr Szenen als er selber und Chiriko läuft zwar ständig mit
unseren Helden mit, wird aber eigentlich nur in zwei Folgen etwas stärker gefeatured.
Diese Unterrepräsentation der beiden Charaktere führt dazu, dass einem gewisse
Geschehnisse in späteren Folgen, welche die beiden betreffen, völlig kalt lassen,
obwohl sie offensichtlich darauf ausgelegt waren beim Zuschauer eine emotionale Reaktion
hervorzurufen. Hier hätte man ruhig ein wenig von Miakas und Tamahomes reichlicher
Screentime abgeben können, um Chiriko und Mitsukake besser in Szene setzen zu können.
Vor allem aufgrund der oben erwähnten Schnitzer bleibt es Fushigi Yuugi leider verwehrt
in den Olymp der besten Animes aller Zeiten aufzusteigen. Dass ich an dieser Stelle dennoch
eine Empfehlung für die Serie ausspreche, zeugt davon, welch enorme Stärken sie doch
besitzt. Kaum eine zweite Serie hat es geschafft, mich so sehr dem Ende entgegenfiebern zu
lassen. Fushigi Yuugi versteht es aufs vortrefflichste fast jede Folge mit einem derartigen
Cliffhanger zu beenden, dass man es gar nicht erwarten kann, die nächste Folge zu sehen.
Im Laufe der Serie gibt es mehr als genug unerwartete Plot-Twists, welche die Spannung stetig
aufrecht erhalten. Und für die stellenweise doch vorhandenen Längen (vor allem im
dritten Viertel der Serie) entschädigt das meiner Meinung nach einfach perfekte Finale,
in dem die Handlung in der fiktiven Welt des Buches und der Realität auf geniale Weise
zusammenlaufen. Noch Stunden nach Ende der Serie lief ich mit einem seligen Lächeln durch
die Welt.
Gut gefallen hat mir auch der Humor der Serie. Es gibt haufenweise alberne Comedy-Einlagen,
in denen sich die Charaktere in ihre SD-Formen verwandeln, und die ein perfektes Gegengewicht
zur übertriebenen Melodramatik mancher Szenen darstellen. Leider wird der Comedy-Anteil
in der zweiten Hälfte der Serie aber stark zurückgeschraubt (Dafür gibt es dann
an einigen Stellen Fanservice, der ziemlich deplaziert wirkt). Trotzdem sind es gerade diese
humorigen Einschübe in den Folgen, die Fushigi Yuugi einen ganz besonderen Charme verleihen.
Zum Schluss noch einige Worte zur technischen Umsetzung der Serie. Als TV-Serie kann Fushigi
Yuugi nicht mit sonderlich genialen Animationen aufwarten, wofür allerdings die nett
anzusehenden Character Designs entschädigen. Die Hintergrundmusik schwankt in der
Qualität von "Leicht Überdurchschnittlich" zu "Sehr Gut", wiederholt sich allerdings
für meinen Geschmack ein wenig zu oft. Alles in allem besticht die Serie eher nicht durch
Technik, tolle Optik etc. sondern vor allem durch ihre sympathischen Charaktere und eine gute
Story.
Fazit: Definitiv nichts für Leute, die bei allzu viel Liebesschmalz
Ausschlag bekommen. Alle anderen sollten Fushigi Yuugi trotz der angesprochenen Mängel
aber eine Chance geben. Dank der Charaktere und der fantasievollen Story lohnt es sich auf
jeden Fall mit Miaka auf die Reise zu gehen. Und steckt nicht in uns allen irgendwo ein
15-jähriges Mädchen?
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